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verein :: chronik |
Kurzgeschichte | Chronik | Peter Rosenzweig | 100 Jahre Jubiläum | Insolvenz 2003
Einführung
Saison:
1928/29 |
1929/30 |
1930/31 |
1931/32 |
1932/33 |
1933/34 |
1934/35 |
1935/36
Einführung in die Chronik von Peter Rosenzweig
Die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Beschäftigung mit der Babelsberger Fußballgeschichte und ihrer Popularisierung geben den Anlaß zu einer langfristigen Artikelserie. Da die Quellenlage über die frühen Jahre seit 1903 noch unzureichend ist, wird mit dem Jahre 1928 begonnen und dann Spieljahr für Spieljahr behandelt. Es versteht sich, dass die Ergebnisse aller Punktspiele und der Abschlußtabellen- stand jeder Saison nicht fehlen werden.
Jeder, der sich schon einmal mit der Geschichte seines Interessengebietes befaßt hat, weiß, wie interessant, spannend und lehrreich eine solche Tätigkeit sein kann. Dabei muß zunächst nicht unbedingt an eine aktuelle Nutzanwendung gedacht werden, die sich ohnehin später meist von selbst ergibt. Wer sich mit der Babelsberger Fußball- tradition beschäftigt, wird bald erkennen, dass sie die genannten Anforderungen fast ideal erfüllt. Der Fußballsport in unserer Heimatstadt hat große und weniger große Zeiten erlebt, er hat unterschiedliche gesellschaftliche Epochen durchlaufen. Alle Er- fahrungen, die dabei gesammelt wurden, sind lehrreich, ob in positiver oder negativer Hinsicht. Traditionsarbeit kann den Zusammenhalt der ver- schiedenen Babelsberger Fußballgenerationen vertiefen, kann anhand früherer Erfolge oder Mißerfolge vermitteln, wie man es machen kann - oder wie auch nicht.
Traditionsarbeit im früheren Programmheft von Motor Babelsberg bzw. der Stadion - Zeitung des SV Babelsberg 03 (bis Juni 2001) wurden in unterschiedlichen Formen seit 1986 betrieben, sie fand auch außerhalb Babelsbergs Beachtung, zum Beispiel im Programmheft des 1. FC Magdeburgs vom 5.3.2000, wo die ent- sprechenden Seiten als "Kult unter Programmsammlern" bezeichnet wurden. Allein zwischen 1996 und 2001 waren in der Nulldrei - Stadionzeitung annähernd 200 Artikel zu diesem Thema veröffentlicht worden, stets unter aktuellem Bezugspunkt. Es ist sehr bedauerlich und auch unverständlich, dass im Zuge ihrer Umgestaltung mit Beginn der Saison 2001/02 derartige Beiträge völlig getilgt wurden.
Die Artikelserie über die Babelsberger Fußballgeschichte wird von einem Autor verfaßt, der kein gebürtiger Babelsberger ist, aber schon seit 1938 hier lebt. Ich stamme aus dem schönen Spreewaldstädtchen Lübben, wo ich ... mehr über Autor Peter Rosenzweig
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Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1928 / 29
Name: SV Nowawes 03
Klasse: Kreisliga Berlin - Brandenburg (Zweithöchste regionale Klasse)
Staffel: West
Für die neue Saison verpflichtete Nowawes 03 einen Trainer, der in späteren Jahrzehnten der bedeutendste Vertreter seines Faches in Deutschland werden sollte: Sepp Herberger. Er befand sich noch in der Ausbildung in Berlin, stand gleichzeitig als Aktiver im Sturm von Tennis Borussia. Seine Trainerlaufbahn fand ihren Höhepunkt durch den Gewinn des Weltmeistertitels mit der Nationalmannschaft der BRD 1954.
Sieben Jahre waren seit 1921 vergangen, als Nulldrei im Kampf um den Aufstieg in die höchste Klasse, die Verbandsliga, dem Nachbarn und ewigen Rivalen Union Potsdam ganz knapp unterlegen war. Das wurmte die Nulldreier immer noch, doch nunmehr ergab sich die Gelegenheit, die Unioner einzuholen. Die Potsdamer waren in der vorherigen Spielzeit aus der obersten Liga abgestiegen, gehörten nun derselben Klasse und Staffel wie Nowawes 03 an. Sepp Herberger sollte Nulldrei erstmals in die Verbandsliga führen - vor Union Potsdam.
Kurz vor Beginn der Punktspiele erhielt Nulldrei einen gehörigen Dämpfer. In einem Freundschaftsspiel im Stadion Luftschiffhafen behielt Union mit 6:0 die Oberhand. Die Nowaweser trösteten sich damit, daß es ja nicht um Punkte gegangen wäre. Union hatte aber seinen festen Willen deutlich gemacht, umgehend in die Verbandsliga zurückzukehren. Schon der Punktspielauftakt unterstrich, wie ernst es den Potsdamern damit war. Zu Hause wurde der Brandenburger BC 05 mit 4:1 geschlag- en. Nulldrei kehrte gleichzeitig von Brandenburg Charlottenburg mit einer 1:3 - Niederlage heim, das erste Saisontor markierte Vetter, der einen Elfmeter verwandelte.
Nulldrei ließ sich nicht beirren, bezwang auf heimischen Boden an der "Verl. Blücherstraße" (Horstweg) den Spandauer BC sensationell mit 12:3. Krapat traf allein achtmal. Alles war gespannt auf das erste Zusammentreffen der beiden Favoriten am 14. Oktober 1928 auf dem Nulldrei - Sportplatz. Union war noch ohne Punktverlust, die Nowaweser hatten inzwischen vier Partien gewonnen und wollten vor dem Schlagerspiel den Anschluß halten.
Einen Spieltag zuvor jedoch mußten die Nulldreier bei Rathenow 06 eine 1:5 - Schlappe hinnehmen. Union nutzte den psychologischen Vorteil, ließ keinen Zweifel an der dominierenden Position in der Staffel und distanzierte Nulldrei sicher mit 4:1. Den Ehrentreffer der Nowaweser, die bis zur Halbzeit ein 1:1 hielten, erzielte Scholz. Union behielt die weiße Weste, Nulldrei hatte - nach der damaligen Zwei - Punkte - Wertung - schon sechs Minuspunkte auf dem Konto. Bis zum Abschluß der 1. Halbserie dehnten die Potsdamer die Führung auf fünf Punkte aus. Sie lagen mit 15:1 Punkten und 41:7 Toren vorn, gefolgt von Nowawes 03 (12:6 / 38:24), Rathenow 06 (11:7 / 35:28), Brandenburg Charlottenburg (11:7 / 20:17) und dem Brandenburger BC 05 (9:9 / 24:21).
Wer nun annahm, die Entscheidung sei praktisch gefallen, lag genau richtig. Union Potsdam ließ sich das Heft nicht mehr aus der Hand nehmen, steuerte souverän Staffelsieg und Wiederaufstieg an. Nulldrei hielt den 2. Platz, konnte aber den Rückstand nicht verkürzen. Am 12. Mai 1929 kam es zum Rückspiel in der Union - Sportstätte an der Templiner Chaussee. Union, mit drei Spielen im Rückstand, benötigte einen Sieg, um die Staffelmeisterschaft endgültig sicherzustellen. Für Nulldrei galt, die Anwartschaft auf den 2. Platz zu bestätigen. Und die Mannschaft zeigte in ihrem letzten Punktspiel der Saison die beste Leistung, errang nach langer Zeit wieder einen Sieg gegen den Rivalen, und noch dazu in der "Höhle des Löwen", an der Templiner Chaussee. In der letzten Minute verwandelte Krapat ein Elfmeter zum 3:2 - Erfolg, nachdem Union in der 1. Halbzeit 2:0 in Führung gegangen war. Den Potsdamern war die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen, doch die Genugtuung bei den Nulldreiern war groß, konnten sie Union doch die einzige Niederlage in den 18 Punktspielen zufügen. "Es gibt für die Nowaweser keine reinere Freude als einen Sieg über den Potsdamer Nachbarn", urteilte treffend die Berliner "Fussball - Woche". Absteigen mussten Viktoria 11 Charlottenburg und der SV Zehlendorf 88.
Sepp Herberger, der zu Saisonende seine Trainertätigkeit in Nowawes beendete, konnte zufrieden resümieren, daß sich die spielerischen Fähigkeiten der Nulldreier, die damals vor allem eine Kampfmannschaft waren, verbessert hatten. Die Stürmer zeigten sich torhungriger denn je, schossen in den 18 Spielen 69 Treffer, also 3,8 pro Spiel. Als Torschützen taten sich besonders Krapat, Scholz und Viete hervor. Zum Aufgebot gehörten unter anderem auch Schomburg, Peters, Kestin und der junge Paul Bauschke, der in späteren Jahren ein verdienstvoller Babelsberger Nachwuchsfunktionär wurde.
Im Verbandspokal erreichten die Nulldreier die 2. Hauptrunde, in der sie in Berlin bei Norden - Nordwest, Dritter der Verbandsliga, Staffel A, mit 1:4 unterlagen. Das Ehrentor erzielte Mittelläufer Müller durch Elfmeter.
| Die Punktspiele der
Spielzeit 1928 / 29 |
| 26.08.28 |
Brandenburg Charlottenburg |
- |
SV Nowawes 03 |
3:1 |
| 02.09.28 |
SV Nowawes 03 |
- |
Spandauer BC |
12:3 |
| 09.09.28 |
SV Nowawes 03 |
- |
Brandenburger BC 05 |
4:2 |
| 16.09.28 |
Post - SV Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
0:5 |
| 23.09.28 |
SV Nowawes 03 |
- |
Viktoria 11 Charlottenburg |
3:2 |
| 30.09.28 |
Rathenow 06 |
- |
SV Nowawes 03 |
5:1 |
| 14.10.28 |
SV Nowawes 03 |
- |
Union Potsdam |
1:4 |
| 21.10.28 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Zehlendorf 88 |
7:2 |
| 04.11.28 |
SV Nowawes 03 |
- |
Hellas 04 Berlin |
4:3 |
| 16.12.28 |
Spandauer BC |
- |
SV Nowawes 03 |
3:4 |
| 03.02.29 |
SV Zehlendorf 88 |
- |
SV Nowawes 03 |
2:11 |
| 24.03.29 |
Brandenburger BC 05 |
- |
SV Nowawes 03 |
5:2 |
| 07.04.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Brandenburg Charlottenburg |
2:6 |
| 14.04.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Post - SV Berlin |
3:2 |
| 21.04.29 |
Hellas 04 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
1:2 |
| 28.04.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Rathenow 06 |
2:3 |
| 05.05.29 |
Viktoria 11 Charlottenburg |
- |
SV Nowawes 03 |
0:2 |
| 12.05.29 |
Union Potsdam |
- |
SV Nowawes 03 |
2:3 |
| Die Abschlusstabelle
der Spielzeit 1928 / 29 |
|
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
Union Potsdam |
18 |
14 |
3 |
1 |
76:20 |
31:5 |
| 2. |
SV Nowawes 03 |
18 |
12 |
- |
6 |
69:48 |
24:12 |
| 3. |
Brandenburg Charlottenburg |
18 |
10 |
4 |
4 |
52:38 |
24:12 |
| 4. |
Rathenow 06 |
18 |
9 |
2 |
7 |
55:53 |
20:16 |
| 5. |
Brandenburger BC 05 |
18 |
7 |
4 |
7 |
44:38 |
18:18 |
| 6. |
Hellas 04 Berlin |
18 |
7 |
3 |
8 |
46:39 |
17:19 |
| 7. |
Post - SV Berlin |
18 |
8 |
- |
10 |
49:59 |
16:20 |
| 8. |
Spandauer BC |
18 |
7 |
1 |
10 |
46:48 |
15:21 |
| 9. |
Viktoria 11 Charlottenburg |
18 |
5 |
3 |
10 |
39:52 |
13:23 |
| 10. |
SV Zehlendorf 88 |
18 |
1 |
- |
17 |
23:104 |
2:34 |
|
|
oben
Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1929 / 30
Name: SV Nowawes 03
Liga: Kreisliga Berlin - Brandenburg (Zweithöchste regionale Klasse)
Staffel: Süd
Die neue Saison brachte willkommene Abwechslung in den Punktspielbetrieb. Die Zusammensetzung der vier Kreisligastaffeln wurde nicht mehr nach geographischen Gesichtspunkten vorgenommen, sondern durch das Los bestimmt. Nulldrei bekam ausschließlich neue Gegner. Doch daran kann es nicht allein gelegen haben, dass schon in den ersten Punktspielen ein deutlicher Formrückgang zu verzeichnen war. "Was ist aus Nowawes geworden?" fragte die "Fussball - Woche" in ihrem Bericht über das Auftaktspiel, das Nulldrei am 1. September 1929 beim Lichtenberger BC 09 sang - und klanglos mit 1:4 verloren hatte. Bis dahin war den Nowawesern, dem "ewigen Kreisligaverein", zumeist und zu Recht bescheinigt worden, zur Elite der zweithöchsten Klasse zu gehören.
Kritische Worte und Spekulationen der Anhängerschaft machten die Runde, als nach acht Spieltagen erst ein Sieg - 4:3 zu Hause gegen Cimbria 1900 - zu Buche stand, dazu kamen aber drei Niederlagen und vier Unentschieden. Was
charakteristisch für die ganze Saison wurde: Es wollte den Nulldreiern einfach nicht gelingen, sich aus der erweiterten Abstiegszone zu lösen. Was waren die Ursachen? War es die teilweise Überalterung, waren es innere Zwistigkeiten, war es die weitgehende Ausgeglichenheit des Elfer - Teilnehmerfeldes? Der Abgang des herausragenden Torschützen Oskar Kaprat vor Saisonbeginn war zwar schmerzlich, doch ansonsten war das Aufgebot nur wenig verändert worden.
Ein weiterer Umstand unangenehmer Art war auszumachen: Mehrere Aktive versuchten, das nachlassende Leistungsvermögen der Mannschaft durch vermehrtes Foulspiel auszugleichen - doch das Gegenteil, nämlich eine weitere Schwächung der Elf, war die Folge. Vor allem Emil Schomburg und Paul Bauschke wurden mehrmals hinausgestellt, Bauschke bekam sogar eine Wxtrasperre aufgebrummt. Zu allem Überfluß wurden die Punkte aus dem 3:2 - Sieg am 15. Dezember 1929 am Horstweg gegen Berolina LSC wegen fehlender Spielberechtigung von Herbert Mattern wieder abgesprochen, und nach einer Serie von fünf Niederlagen fand sich Nulldrei mitten im Abstiegsstrudel wieder. Ein Aufbäumen in der Schlußphase der Punktspiele brachte vier Siege aus fünf Partien, doch als das letzte Spiel mit der Saison - Rekordniederlage von 2:8 beim Zweiten Berliner FV 1910 (später Hohenschönhausener SV 1910) ausging, lag Nulldrei auf dem 10. und vorletztem Platz, und das war ein Abstiegsplatz, wenn auch der Abstand zum Vierten nur drei Punkte (!) betrug.
Das Reglement bescherte eine neue Chance: Nulldrei trennte vom rettenden 9. Platz nur das schlechtere Torverhältnis gegenüber Olymp 1900 Berlin, das aber war nicht maßgebend. So wurden zwei Entscheidungsspiele auf neutralen Berliner Plätzen angesetzt. Die erste Partie am 25. Mai 1930 auf dem Cherusker - Platz in Lichterfelde gewann Olymp glatt mit 3:0 - da blieb kaum ein Zweifel am Ausgang des Rückspiels eine Woche später auf dem Kickers - Platz in Schönberg übrig. Doch Nulldrei fand zu urwüchsigem Kampfgeist zurück. Ball und Gebel wandelten den 0:1 - Rückstand in ein 2:1 um. Den Ausgleich der Olymp - Elf steckte Nulldrei bei großer Hitze mit einer Energieleistung weg und kam durch Ribbeck und Gebel zum 4:2. Ein drittes Entscheidungsspiel am 15. Juni 1930 mußte her - auf dem traditionsreichen Gelände von Viktoria 89 in Mariendorf, Eisenacher Straße, wo die Nulldreier später so manche entscheidene Partie austrugen.
Große Nervosität war bei beiden Kontrahenten Trumpf, Olymp kam zuerst in Schwung, führte zur Halbzeit mit 2:0. Als dann bald zum Elfmeter für die Berliner gepfiffen wurde, schien alles verloren, doch er wurde verschossen. Was dann folgte, nimmt an kämpferischem Aufbegehren einen Ehrenplatz in der Babelsberger Fußballgeschichte ein. Obwohl durch Hinausstellung auf zehn und durch Verletzung zeitweilig auf neun Mann reduziert, drehte Nulldrei das Spiel noch. Der Dauerdruck, den die Nowaweser trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit entfalteten, zeigte Wirkung, Olymps Verteidigung verursachte zwei Elfmeter, die beide durch den nervenstarken Fuchs verwandelt wurden. Als im Anschluß an einen Eckball das siegbedeutende 3:2 fiel, gab es großen Jubel, der sich nach dem Abpfiff noch steigerte. Die zweithöchste Klasse war in der Aufstellung Benecke - Peters, Martin - Gödecke, Müller, Fuchs - Ribbeck, Ball, Gebel, Scholz, Viete gehalten worden. Die schon angedeuteten Warnzeichen waren aber nicht zu übersehen.
Insgesamt setzte Nulldrei etwa 30 Aktive ein, manch einer kam nur gelegentlich zum Einsatz. Oft überzeugten vor allem Scholz und Viete, auch als Torschützen. Gegen Meister und Aufsteiger Tasmania 1900 blieb Nulldrei ohne Tore. Absteiger war neben Olymp weit abgeschlagen Britannia Luckenwalde, nur gegen den Letzten gewannen die Nowaweser beide Male. Zum unbefriedigenden Gesamteindruck gehörte auch, dass in der 5. Pokalrunde, wo die Kreisligisten erst eingriffen, schon für Nulldrei das Aus kam, und zwar sensationeller Weise mit 1:3 am 12. Januar 1930 bei den unterklassigen Bornimern. Zur Halbzeit lag die Elf schon 0:3 hinten, ein Elfmeter führte zum Ehrentor.
| Die Punktspiele der Spielzeit 1929 / 30 |
|
| 01.09.29 |
Lichtenberger BC 09 |
- |
SV Nowawes 03 |
4:1 |
| 22.09.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Cimbria 1900 |
4:3 |
| 29.09.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Olymp 1900 Berlin |
1:3 |
| 06.10.29 |
Spandauer SC |
- |
SV Nowawes 03 |
1:1 |
| 20.10.29 |
Tasmania 1900 |
- |
SV Nowawes 03 |
3:0 |
| 03.11.29 |
Oranien 01 Oranienburg |
- |
SV Nowawes 03 |
2:2 |
| 10.11.29 |
Berolina LSC |
- |
SV Nowawes 03 |
0:0 |
| 17.11.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Schwarz - Weiß 09 Berlin |
3:3 |
| 24.11.29 |
Britannia Luckenwalde |
- |
SV Nowawes 03 |
1:3 |
| 08.12.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Spandauer SC |
3:5 |
| 15.12.29 |
SV Nowawes 03 |
- |
Berolina LSC |
3:2* |
| 05.01.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Lichtenberger BC 09 |
1:5 |
| 19.01.30 |
Cimbria 1900 |
- |
SV Nowawes 03 |
6:2 |
| 26.01.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Tasmania 1900 |
0:2 |
| 02.02.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Oranien 01 Oranienburg |
2:0 |
| 09.02.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Britannia Luckenwalde |
2:1 |
| 16.02.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Berliner FV Ost 1910 |
2:3 |
| 06.04.30 |
Olymp 1900 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
2:3 |
| 13.04.30 |
Schwarz - Weiß 09 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
2:3 |
| 11.05.30 |
Berliner FV Ost 1910 |
- |
SV Nowawes 03 |
8:2 |
* Die Punkte wurden Nulldrei wieder abgesprochen
(Tore: 0:0), da ein Aktiver ohne Spielberechtigung mitwirkte
| Entscheidungsspiele
um den Klassenerhalt (auf neutralen Plätzen) |
|
| 25.05.30 |
Olymp 1900 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
3:0 |
| 01.06.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Olymp 1900 Berlin |
4:2 |
| 15.06.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Olymp 1900 Berlin |
3:2 |
| Die Abschlusstabelle der
Spielzeit 1929 / 30 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
Tasmania 1900 |
20 |
17 |
2 |
1 |
75:18 |
36:4 |
| 2. |
Berliner FV Ost 1910 |
20 |
14 |
3 |
3 |
75:42 |
31:9 |
| 3. |
Spandauer SC |
20 |
8 |
6 |
6 |
54:56 |
22:18 |
| 4. |
Lichtenberger BC 09 |
20 |
6 |
7 |
7 |
46:44 |
19:21 |
| 5. |
Cimbria 1900 |
20 |
6 |
7 |
7 |
52:51 |
19:21 |
| 6. |
Schwarz - Weiß 09 Berlin |
20 |
7 |
4 |
9 |
48:54 |
18:22 |
| 7. |
Berolina LSC |
20 |
6 |
6 |
8 |
36:46 |
18:22 |
| 8. |
Oranien 01 Oranienburg |
20 |
7 |
3 |
10 |
48:59 |
17:23 |
| 9. |
SV Nowawes 03 |
20 |
6 |
4 |
10 |
35:54 |
16:24* |
| 10. |
Olymp 1900 Berlin |
20 |
7 |
2 |
11 |
58:67 |
16:24* |
| 11. |
Britannia Luckenwalde |
20 |
2 |
4 |
14 |
32:68 |
8:32 |
* Über den Klassen erhaltenden 9. Platz
entschieden drei Spiele zwischen 03 und Olymp 1900, da das
Torverhältnis nicht maßgeblich war (Ergebnisse siehe oberhalb
dieser Tabelle)
|
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oben
Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1930
/ 31
Name: SV Nowawes 03
Klasse: Kreisliga Berlin - Brandenburg (Zweithöchste regionale Klasse)
Staffel: Nord
Es zeigte sich schnell, dass bei Nulldrei durch den mit größter Kraftanstrengung gesicherten Klassenerhalt längerfristige Probleme nicht gelöst waren. Die ersten fünf Punktspiele der neuen Saison wurden verloren, der absolute Tiefpunkt war am 14. September 1930 erreicht, als am Horstweg gegen Berolina LSC mit 0:9 verloren wurde. Die Moral einiger Spieler war arg kritikwürdig. Als der Schiedsrichter beim Stande von 7:0 zum Elfmeter gegen Nulldrei pfiff, geschah nach Schilderung der "Potsdamer Tageszeitung" Folgendes: "(Torwart) Benecke hat sich ins Tor gesetzt und steht auch nicht auf, als der Vollstrecker des Urteils zum Schuß antritt." Die Presse befasste sich mehrmals mit den Verhältnissen bei den "Nudel- bergern" (oder "Nudeltöppern"), von "Spielerstreik" und "Palastrevolution" war die Rede. Die Sicherheit der auswärtigen Kicker und ihrer Fans schien auch nicht immer gewährleistet, denn den Nowawesern wurde vom Verband auferlegt, vor Beginn jedes Heimspiels "dem Schiedsrichter unaufgefordert sechs Herren namentlich als Patzkommission" zu melden.
"Wo ist der gefürchtete Kampfgeist geblieben?" fragten viele Anhänger. Manchmal flammte er auf, vor allem am 12. Oktober 1930 in Oranienburg bei Oranien 01. Zwar lag Nulldrei zur Halbzeit mit 1:3 hinten, alles schien den gewohnten (Leidens-) Weg zu gehen, da riss sich die Mannschaft zusammen. Ribbeck (2), Oeter und Vetter brachten noch das 4:3 zustande. Es sollte aber der einzige Sieg in den 22 Punktspielen bleiben. Im Heimspiel gegen den BFC Wedding (1:4) am 16. November 1930 musste Nulldrei auf den Platz am Nordende des heutigen "Karli-Geländes" ausweichen, da das Hochwasser der Havel einen Höchststand seit 1888 erreicht hatte und der Sportplatz am Horstweg fast vollständig überschwemmt war. Einer der wenigen Höhepunkte in der meist tristen 1. Halbserie war das 3:3 beim alten Rivalen Brandenburger BC 05 durch Tore von Fuchs (Elfmeter), Scholz und Babrikowski.
Das Punktverhältnis von 3:19 am Ende der Hinrunde ließ kaum noch Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Die Vereinsführung setzte nun auf den talentierten Nachwuchs. So tauchten neben den bewährten Emil Schomburg, Gerhard Scholz und Gerhard Ball Namen wie "Orje" Hebes, die Gebrüder Wilhelm und "Fritze" Hoppe und vor allem der 17-jährige "Ante" (Ernst) Buchmann auf. Sie sollten in den folgenden Jahren eine wichtige Rolle spielen, Buchmann wurde gar für Berlin und den Gau Berlin-Brandenburg repräsentativ eingesetzt. Torwart Benecke, der in elf Spielen 39 mal hinter sich greifen musste, wurde vorerst durch den jungen Seifert ersetzt, der aber der nervlichen Belastung noch nicht gewachsen war und in acht Partien 38 Bälle passieren ließ. In den letzten drei Begegnungen wurde Kestin ins Tor gestellt, der aber auch 14mal die Lederkugel aus dem Kasten holte.
Obwohl in der 2. Halbserie die jungen Talente manches Lehrgeld bezahlen mussten und die Mannschaft beispielsweise 1:7, 2:7, 1:6 und 2:6 verlor, wurde ihr Spielfreude, kämpferischer Einsatz und viel Schnelligkeit bescheinigt. Das zeigte sich vor allem bei den beiden 3:3-Unentschieden in Berlin bei Hansa 07 und zu Hause bei Sportfreunde Potsdam. Gegen Hansa führten die Nowaweser in der 2. Halbzeit schon 3:0 durch Treffer von Mebes (2) und Ball, als ihnen die Luft ausging und sie, in die Defensive gedrängt, noch das Remis hinnehmen mussten. Das 3:3 gegen den Potsdamer Nachbarn wurde von denselben Torschützen herausgeholt. Einen dramatischen Verlauf nahm die Partie zu Hause gegen Rathenow 09. Die Brillenstädter führten schnell mit 2:0, doch dann spielte Nulldrei eine Zeitlang wie aufgedreht, ging 4:2 in Führung. Rathenow holte noch vor dem Seitenwechsel ein Tor auf und zog dann unwiderstehlich mit 6:4 davon.
Staffelmeister und Aufsteiger in die oberste Klasse von Berlin-Brandenburg, die nunmehr Bezirksliga hieß, wurde der BFC Wedding mit 36:8 und zwei Punkten Vorsprung vor SV Bewag. Große Aufregung gab es bei der Ermittlung der drei Absteiger im Zwölferfeld. Außer Nulldrei stand Rathenow 09 frühzeitig fest, doch Sportfreunde Potsdam und Concordia Wittenau lagen punktgleich auf dem ersten Abstiegsplatz. Das bessere Torverhältnis der Potsdamer nutzte nichts, zwei Entscheidungsspiele wurden angesetzt, die beide von den Nordberlinern überlegen mit 7:2 und 5:1 (in Potsdam) gewonnen wurden. Alles schien entschieden, doch dann kam es heraus: Wittenau hatte in beiden Vergleichen einen gesperrten Aktiven unter falschem Namen eingesetzt. Dieses Vergehen wurde mit der Aberkennung der beiden Siege und dem Abstieg bestraft, die Sportfreunde Potsdam konnten in der Kreisliga verbleiben.
Die wieder gewachsene Spielstärke stellte Nowawes 03 im Verbandspokal unter Beweis. In den Vorrunden kamen die Nulldreier zu einem 5:4 - Heimsieg gegen den SV Borsig Berlin und zu einem 2:0 in Berlin bei der SpVgg Athen. Überzeugend war das 6:0 bei Concordia Wilhelmsruh in der 1. Hauptrunde, wodurch sich Nulldrei für die in der nächsten Saison anstehende 2. Hauptrunde qualifizierte.
| Die Punktspiele der Spielzeit 1930
/ 31 |
| 31.08.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Concordia Wittenau |
1:2 |
| 07.09.30 |
SV BVG Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
4:3 |
| 14.09.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Berolina LSC |
0:9 |
| 21.09.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Hansa 07 Berlin |
0:1 |
| 28.09.30 |
Rathenow 09 |
- |
SV Nowawes 03 |
4:3 |
| 12.10.30 |
Oranien 01 Oranienburg |
- |
SV Nowawes 03 |
3:4 |
| 19.10.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Bewag Berlin |
1:3 |
| 02.11.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
VfB Hermsdorf |
2:3 |
| 16.11.30 |
SV Nowawes 03 |
- |
Berliner FC Wedding |
1:4 |
| 30.11.30 |
Brandenburger BC 05 |
- |
SV Nowawes 03 |
3:3 |
| 14.12.30 |
Sportfreunde Potsdam |
- |
SV Nowawes 03 |
3:1 |
| 21.12.30 |
Berolina LSC |
- |
SV Nowawes 03 |
6:1 |
| 04.01.31 |
Concordia Wittenau |
- |
SV Nowawes 03 |
2:1 |
| 11.01.31 |
Hansa 07 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
3:3 |
| 25.01.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
Rathenow 09 |
4:6 |
| 08.03.31 |
VfB Hermsdorf |
- |
SV Nowawes 03 |
4:1 |
| 22.03.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV BVG Berlin |
2:7 |
| 29.03.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
Oranien 01 Oranienburg |
0:3 |
| 19.04.31 |
SV Bewag Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
7:1 |
| 26.04.31 |
Berliner FC Wedding |
- |
SV Nowawes 03 |
6:2 |
| 03.05.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
Sportfreunde Potsdam |
3:3 |
| 10.05.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
Brandenburger BC 05 |
3:5 |
| Die Abschlusstabelle der Spielzeit
1930 / 31 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
Berliner FC Wedding |
22 |
16 |
4 |
2 |
74:32 |
36:8 |
| 2. |
SV Bewag Berlin |
22 |
15 |
4 |
3 |
79:28 |
34:10 |
| 3. |
SV BVG Berlin |
22 |
12 |
6 |
4 |
70:42 |
30:14 |
| 4. |
Berolina LSC |
22 |
11 |
3 |
8 |
82:53 |
25:19 |
| 5. |
VfB Hermsdorf |
22 |
11 |
8 |
3 |
55:54 |
25:19 |
| 6. |
Hansa 07 Berlin |
22 |
9 |
5 |
8 |
48:64 |
23:21 |
| 7. |
Brandenburger BC 05 |
22 |
7 |
7 |
8 |
58:50 |
21:23 |
| 8. |
Oranien 01 Oranienburg |
22 |
9 |
2 |
11 |
46:67 |
20:24 |
| 9. |
Sportfreunde Potsdam |
22 |
5 |
9 |
8 |
54:56 |
19:25* |
| 10. |
Concordia Wittenau |
22 |
8 |
3 |
11 |
50:63 |
19:25* |
| 11. |
Rathenow 09 |
22 |
2 |
3 |
17 |
37:90 |
7:37 |
| 12. |
SV Nowawes 03 |
22 |
1 |
3 |
18 |
37:91 |
5:39 |
* Die beiden Entscheidungsspiele um den Klassenverbleib
zwischen den punktgleichen Mann- schaften von Sportfreunde
Potsdam und Concordia Wittenau gewann Wittenau mit 7:2 und 5:1 (in
Potsdam). Da Concordia aber einen gesperrten Spieler
unter falschem Namen einsetzte, wurde Potsdam zum Sieger
erklärt. Wittenau mußte absteigen.
|
oben
Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1931 / 32
Name: SV Nowawes 03
Klasse: Gauklasse A Berlin - Brandenburg (Dritthöchste regionale Klasse)
Staffel: West, Abteilung B
Es gab keine Zweifel am Ziel des SV Nowawes 03 in der
neuen Spielzeit: Der Aufenthalt in der dritthöchsten Klasse durfte nur
ein Jahr dauern, der Abstieg mußte postwendend wettgemacht werden. Bedeutende
Spielerabgänge gab es nicht, der Nachwuchs sollte weiter systematisch
an größere Aufgaben herangeführt werden. Konzentration vom ersten Punktspiel
an hieß die Parole.
Erstes bedauernswertes Nulldrei - Opfer war der FC Nauen, der am Horstweg mit 8:0 überrannt wurde. Breithecker traf allein viermal, Mittelläufer Müller verwandelte einen Elfmeter, Ball, Mebes und Kestin schossen je ein Tor. Bei Blau-Gelb Potsdam, der späteren Viktoria, die damals Punktspiele an der Sandscholle austrug, gab es einen 7:1 - Sieg, der SC des Westens 97 (3:0) und Nordwest 1912 Berlin (4:1) wurden am Horstweg klar distanziert.
Die Frage, wo Nulldrei leistungsmäßig steht, konnte nicht in den Punktkämpfen der dritten Klasse beantwortet werden, wo die Elf selten voll gefordert wurde. Zur Standortbestimmung eignete sich vortrefflich der Verbandspokal, für dessen 2. Hauptrunde die Nulldreier sich noch in der alten Saison qualifiziert hatten. Das Los bescherte für den 30. August 1931 eine Mannschaft aus der obersten Klasse, der Bezirksliga (also zwei Klassen über Nowawes!) am Horstweg zum Gegner: Meteor 06 Berlin. Unerschrocken und mit großem Kampfgeist ging Nulldrei diese schwere Aufgabe gegen den Favoriten an, ließ ihn nicht zur Entfaltung kommen und führte zur Halbzeit durch einen Müller - Elfmeter mit 1:0. Als allgemein in der 2. Halbzeit eine Meteor - Offensive erwartet wurde, erstickten die Einheimischen alle Bemühungen im Keime und zogen durch zwei Breithecker - Tore uneinholbar mit 3:0 davon, Meteor war nur das Ehrentor beschieden. Ein noch viel dickerer Brocken war in der 3. Hauptrunde für den 4. Oktober 1931 am Horstweg angesagt: Der Tabellenführer der Abteilung A in der obersten Klasse von Berlin - Brandenburg, Minerva 93 Berlin, der erst einen Sonntag zuvor keinen Geringeren als den amtierenden Deutschen Meister Hertha BSC im Punktspiel mit 3:2 abgefertigt hatte. Nulldrei stützte sich in diesem schweren Spiel vor allem auf die Routiniers Schomburg, Müller, Fuchs, Ribbeck und Viete, ließ sich auch gegen diesen großen Gegner nicht die Butter vom Brot nehmen und ging nach 19 Minuten durch einen Elfmeter von Müller mit 1:0 in Führung. Die 2.000 Zuschauer standen Kopf, witterten eine neue Sensation, Minerva agierte nervös, fand nur allmählich zur gewohnten Spielweise. In einem typsichen Pokalkampf wurde schließlich die Überlegenheit der Berliner drückend, Nulldrei wehrte sich mit dem Mute der Verzweiflung, mußte erst in der Verlängerung zwei Tore hinnehmen, die das Ausscheiden aus dem Pokal bewirkten. Doch die Leistung der Einheimischen begründete die Hoffnung, dass in Nowawes allmählich eine Mannschaft heranwuchs, die in Berlin - Brandenburg zu höherem berufen war.
Die Punktspiele in der Gauklasse A wurden zu einer Randerscheinung. In der Regel erzielte Nulldrei eindeutige Siege, nur in Nauen gelang im Rückspiel lediglich ein 1:1, und gegen Hertha Zehlendorf mußten die Nowaweser mit 3:3 den einzigen Punkt auf eigenem Platz abgeben. Am 10. Januar 1932 wurde in Elstal ein großer Erfolg gefeiert: Mit 3:1 fügte der SV Elstal dem hohen Staffelfavoriten die einzige Niederlage zu. Trotzdem blieb für die Nulldreier ein sicherer Vorsprung erhalten. Gefahr kam unerwartet von einer ganz anderen Seite. Vier Vereine bezweifelten die Spielberechtigung von Nulldrei - Mittelläufer Müller, jeder wollte von den Nulldreiern zwei Punkte am grünen Tisch wiederhaben. Das hätte den Nowawesern die Meisterschaft kosten können. Hauptdrahtzieher war der Tabellendritte Nordwest 1912 Berlin, der vor allem Nutznießer einer Punktabsprache bei Nulldrei gewesen wäre. Doch der Protest wurde abgelehnt, Nowawes 03 konnte die letzten fünf Punktspiele in Ruhe und Würde siegreich mit insgesamt 24:2 Toren beenden, darunter mit 4:0 bei Nordwest 1912, was natürlich große Genugtuung bereitete. Beim 5:0 auf dem Sportplatz am Horstweg gegen Blau - Gelb Potsdam am 28. Februar 1932 erhielten die glücksstrahlenden Kicker die verdiente Gratulation. Der Wiederaufstieg in die Kreisliga war in der Besetzung Benecke; Deschne, Schomburg; Scholz, Müller, Fuchs; Ribbeck, Breithecker, Ball, Mebes, Viete geschafft. Absteiger von der Gauklasse A in die unterste Klasse, die Gauklasse B, brauchten diesmal nicht ermittelt werden.
Im neuen Verbandspokal, zu Jahresbeginn gestartet, war Nulldrei diesmal weniger erfolgreich. Nach einem 4:0 zu Hause gegen Borussia - Sparta Berlin und einem beachtlichen 3:1 auch in heimischen Gefilden gegen den Kreisligisten Ullstein Berlin schied Nulldrei in der 5. Vorrunde im Stadion Luftschiffhafen gegen die Sportfreunde Potsdam mit 1:3 aus. Da auch ein Freundschaftsspiel beim Bezirksliga - Absteiger Union Potsdam mit 2:7 verloren ging, verblieb Nulldrei in einer inoffiziellen Rangliste des Potsdamer Raumes auf dem 3. Platz.
| Die Punktspiele der Spielzeit 1931
/ 32 |
| 28.08.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
FC Nauen |
8:0 |
| 06.09.31 |
Blau - Gelb Potsdam |
- |
SV Nowawes 03 |
1:7 |
| 20.09.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
SC des Westens 97 Berlin |
3:0 |
| 27.09.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
Nordwest 1912 Berlin |
4:1 |
| 18.10.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
Hertha Zehlendorf |
3:3 |
| 25.10.31 |
Preußen Wilmersdorf |
- |
SV Nowawes 03 |
0:4 |
| 01.11.31 |
SV Zehlendorf 88 |
- |
SV Nowawes 03 |
1:6 |
| 08.11.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Elstal |
4:1 |
| 22.11.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
Viktoria 11 Charlottenburg |
3:0 |
| 29.11.31 |
Hertha Zehlendorf |
- |
SV Nowawes 03 |
2:5 |
| 06.12.31 |
FC Nauen |
- |
SV Nowawes 03 |
1:1 |
| 13.12.31 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Zehlendorf 88 |
8:0 |
| 10.01.32 |
SV Elstal |
- |
SV Nowawes 03 |
3:1 |
| 17.01.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
Preußen Wilmersdorf |
5:2 |
| 31.01.32 |
Nordwest 1912 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
0:4 |
| 28.02.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
Blau - Gelb Potsdam |
5:0 |
| 06.03.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
SC des Westens 97 Berlin |
4:0* |
| 08.05.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
Viktoria 11 Charlottenburg |
6:0* |
* Auch die Rückspiele wurden in Nowawes ausgetragen
| Die Abschlusstabelle der Spielzeit
1931 / 32 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
SV Nowawes 03 |
18 |
15 |
2 |
1 |
81:15 |
32:4 |
| 2. |
Hertha Zehlendorf |
18 |
10 |
4 |
4 |
70:41 |
24:12 |
| 3. |
Nordwest 1912 Berlin |
18 |
10 |
3 |
5 |
49:37 |
23:13 |
| 4. |
SC des Westens 97 Berlin |
18 |
8 |
3 |
7 |
34:35 |
19:17 |
| 5. |
Viktoria 11 Charlottenburg |
18 |
8 |
2 |
8 |
37:39 |
18:18 |
| 6. |
Preußen Wilmersdorf |
18 |
8 |
1 |
9 |
43:52 |
17:19 |
| 7. |
SV Elstal |
18 |
7 |
2 |
9 |
30:46 |
16:20 |
| 8. |
Blau - Gelb Potsdam |
18 |
6 |
2 |
10 |
28:45 |
14:22 |
| 9. |
FC Nauen |
18 |
5 |
2 |
11 |
37:49 |
12:24 |
| 10. |
SV Zehlendorf 88 |
18 |
2 |
1 |
15 |
30:80 |
5:31 |
|
oben
Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1932 / 33
Name: SV Nowawes 03
Klasse: Kreisliga Berlin - Brandenburg (Zweithöchste regionale Klasse)
Staffel: Nord
Das Ziel des unmittelbaren Wiederaufstiegs in die zweitoberste Klasse war überzeugend erreicht worden. War die Mannschaft
schon so weit gereift, sich höheren Aufgaben zu stellen? Der Auftakt in der neuen Spielzeit war hoffnungsvoll. Im
Eröffnungsspiel wurde am Horstweg die starke Elf SV Gaswerke Berlin mit 3:2 geschlagen. Doch die Leistung der in
fast unveränderter Besetzung angtretenen Mannschaft stimmte noch nicht. Wer mit dem munteren Geholze angefangen hatte,
ließ sich wie zumeist nicht exakt feststellen, jedenfalls dominierten in der 2. Halbzeit zahlreiche häßliche Fouls.
Bei Nulldrei wurde wieder einmal Vertediger Emil Schomburg hinausgestellt, die Gaswerke "revanchierten" sich mit drei
"Roten Karten", die damals allerdings noch längst nicht erfunden waren. Die Nowaweser krönten ihre Aufholjagd nach
dem 1:2 - Halbzeitrückstand gegen einen nur noch acht Mann starken Gegner mit dem 3:2, für das sich "Fritze" Hoppe, Gerhard
Scholz per Elfmeter und Gerhard Ball verantwortlich zeichneten.
Im zweiten Spiel beim Polizei - SV Berlin im späteren "Stadion der Weltjugend" - die Polizisten hatten immerhin in
den vergangenen drei Jahren der höchsten Klasse angehört - trumpften die Nulldreier beeindruckend auf. Zum 4:1 - Sieg
steuerte Scholz wieder einen Elfer, mit der "Pieke" verwandelt, bei, am Saisonende hatte er neun auf diese Weise erzielte
Saisontreffer auf seinem Konto. Die Fachpresse zählte die Nowaweser sogleich zu den Anwärtern auf den Staffelsieg, das
aber erwies sich als voreilig. Es folgte eine Serie von vier Niederlagen, wie überhaupt Serien zur Mode wurden. Jetzt
waren drei auf einander folgende Siege dran, dann aber vier "Miese", und am 11. Dezember 1932 zeigte die Tabelle, dass
sich Nulldrei als Achter im Zwölferfeld bedenklich den Abstiegsplätzen genähert hatte.
Die Nulldreier fingen sich aber noch rechtzeitig, obwohl "Fritze" Hoppe fast ein halbes Jahr nicht zur Verfügung stand.
In den restlichen neun Partien wurden sechs Siege und ein Unentschieden herausgeholt, das bedeutete nicht nur die
Rettung vor dem Abstieg, sondern einen hervorragenden 4. Platz. 56 Tore (Durchschnitt 4,7) unterstrichen die
Durchschlagskarft des Sturmes, Gerhard Ball (13), Gerhard Scholz (11) und "Orje" Mebes (10) schafften davon allein
34 Treffer. Die Jugend war weiter auf dem Vormarsch, der zu Saisonbeginn erst 19 - jährige "Ante" Buchmann und Gerhard
Ball waren ebendso wie "Scholli" Scholz in allen 18 Punktspielen dabei, Mebes fehlte nur zweimal. Im Kasten hatte
Seifert gegenüber Benecke wieder den Vorzug erhalten.
Es schien also alles in bester Ordnung, schon die nähere Zukunft verhieß weitere Erfolge, insgeheim träumte man von dem
lockenden Ziel, der obersten Berlin - Brandenburgischen Klasse. Höhere Mächte setzten jedoch ein gebieterisches Halt.
Am 30. Januar 1933 hatten in Deutschland die Faschisten ihre Herrschaft errichtet, sogleich wurde damit begonnen, die
gesamte Gesellschaft in Politik, Struktur, Organisation und Ideologie gleichzuschalten. Auch der Sport machte keine
Ausnahme, Vorbild waren die Struktur der NSDAP und ihrer Gliederungen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden im Fußball
unter anderem der Verband Brandenburgischer Ballspielvereine (VBB) aufgelöst und durch den Gau Berlin - Brandenburg
im faschistischen Reichsbund für Leibesübungen ersetzt. Die obersten beiden Klassen wurden halbiert und nun "Gauliga"
und "Bezirksklasse" genannt. Als Vierter in einer der vier Staffeln der zweithöchsten Klasse sollte auf alle Fälle
ein Platz in der Bezirksklasse drin sein, so hoffte man in Nowawes. Doch diese Rechnung wurde ohne den "Wirt" gemacht.
Tabellenplätze waren keineswegs allein für die neue Einstufung ausschlaggebend, größere Städte sollten berücksichtigt
werden, vor allem galten aber die "inneren Werte" eines Vereins, die "national - sozialistische Ausrichtung", die aber
erschien den neuen Machthabern damals bei Nulldrei unzureichend. So kam es zu der sportlich unfaßbaren Ungerechtigkeit,
dass die Mannschaft als Vierter absteigen mußte, während die Sportfreunde Potsdam, in ihrer Staffel schlechter als die
Nowaweser platziert, dem neuen Regime als besser geeignet erschienen und für die Bezirksklasse eingeteilt wurden.
Alle anderen fußballsportlichen Ereignisse waren durch die geschilderten Begebenheiten in den Hintergrund gerückt.
Nulldrei stieg in der 4. Vorrunde in den Verbandspokal ein, mußte aber bei Brandenburg 92 Berlin, eine Klasse tiefer
spielend, eine blamable 0:7 - Schlappe hinnehmen. Interesse rief ein für den 24. Mai 1933 angesetztes Freundschaftsspiel
gegen Concordia 06 Nowawes hervor. Concordia hatte der von den NS - Machthabern verbotenen Arbeitersportbewegung
angehört und in der obersten Klasse der "Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit" gespielt, war nun aber ganz unten
eingereiht worden. Der hohe 7:0 - Sieg von Nulldrei überraschte, bei Concordia, bald in "Eintracht 06" umbenannt und
jahrelanger hartnäckiger Rivale von Nulldrei, fiel die allzu "weiche" Spielweise auf.
| Die Punktspiele der Spielzeit 1932
/ 33 |
| 28.08.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Gaswerke Berlin |
3:2 |
| 04.09.32 |
Polizei - SV Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
1:4 |
| 11.09.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
Stern 1900 Steglitz |
2:3 |
| 18.09.32 |
VfB Luckenwalde |
- |
SV Nowawes 03 |
4:1 |
| 25.09.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
SC Charlottenburg |
0:3 |
| 02.10.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV BVG Berlin |
2:4 |
| 16.10.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
Berliner Amateure |
1:0 |
| 06.11.32 |
Favorit 96 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
1:4 |
| 13.11.32 |
Normannia 08 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
0:5 |
| 20.11.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
Marathon 02 Neukölln |
2:3 |
| 27.11.32 |
Concordia Wilhlemsruh |
- |
SV Nowawes 03 |
3:2 |
| 04.12.32 |
SV Nowawes 03 |
- |
Polizei - SV Berlin |
2:3 |
| 11.12.33 |
SV BVG Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
5:1 |
| 08.01.33 |
SV Gaswerke Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
2:3 |
| 15.01.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Concordia Wilhelmsruh |
3:1 |
| 22.01.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
VfB Luckenwalde |
2:2 |
| 12.02.33 |
Berliner Amateure |
- |
SV Nowawes 03 |
1:3 |
| 19.02.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Normainnia 08 Berlin |
5:2 |
| 26.02.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Favorit 96 Berlin |
5:2 |
| 12.03.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
SC Charlottenburg |
3:4* |
| 09.04.33 |
Marathon 02 Neukölln |
- |
SV Nowawes 03 |
2:0 |
| 27.05.33 |
Stern 1900 Steglitz |
- |
SV Nowawes 03 |
1:3 |
* Auch dieses Rückspiel wurden in Nowawes
ausgetragen
| Die Abschlusstabelle der Spielzeit
1932 / 33 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
SC Charlottenburg |
22 |
20 |
- |
2 |
114:27 |
40:4 |
| 2. |
SV BVG Berlin |
22 |
14 |
4 |
4 |
55:34 |
32:12 |
| 3. |
Concordia Wilhelmsruh |
22 |
11 |
5 |
6 |
67:54 |
27:17 |
| 4. |
SV Nowawes 03 |
22 |
11 |
1 |
10 |
56:49 |
23:21 |
| 5. |
Polizei - SV Berlin |
22 |
9 |
4 |
9 |
59:51 |
22:22 |
| 6. |
VfB Luckenwalde |
22 |
6 |
7 |
9 |
47:52 |
19:25 |
| 7. |
Stern 1900 Steglitz |
22 |
8 |
3 |
11 |
43:51 |
19:25 |
| 8. |
Favorit 96 Berlin |
22 |
7 |
4 |
11 |
40:64 |
18:26 |
| 9. |
Marathon 02 Neukölln |
22 |
8 |
2 |
12 |
25:64 |
18:26 |
| 10. |
SV Gaswerke Berlin |
22 |
6 |
5 |
11 |
42:45 |
17:27 |
| 11. |
Berliner Amateure |
22 |
6 |
4 |
12 |
42:72 |
16:28 |
| 12. |
Normannia 08 Berlin |
22 |
5 |
3 |
14 |
43:80 |
13:31 |
|
oben
Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1933 / 34
Name: SV Nowawes 03
Klasse: 1. Kreisklasse Berlin - Brandenburg (Dritthöchste regionale Klasse)
Staffel: West, Abteilung B
Wie sollte man einer sportpolitischen Willkür-Entscheidung der neuen faschistischen Sportinstanzen (Abstieg als Tabellen vierter!) begegnen, gegen die es damals natürlich keinerlei „Rechtsmittel“ gab? Nulldrei tat es auf die einzig richtige, einzig mögliche Art. Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch, mit dem festen Vorsatz, es „denen zu zeigen“, dass die Unrechtsentscheidung jedem sportlichen Empfinden Hohn sprach, wurde auf dem Spielfeld haushohe Überlegenheit demonstriert, mancher Gegner geradezu auseinandergenommen. Bei Siegfried Groß Glienicke wurde im Auftaktspiel 12:1 gewonnen, im Rückspiel am Silvestertag sogar mit dem Rekordresultat vom 18:0. Die insgesamt 30 Tore gegen den späteren Absteiger teilten sich Gerhard Ball (12), „Fritze“ Hoppe (7), Gerhard Scholz und „Männe“ Brock (je 3), „Orje“ Mebes und „Hänschen“ Unger (je 2) und „Ante“ Buchmann. Zu Hause kam es ferner zu Resultaten wie 10:1 gegen den Charlottenburger FC 01, 8:2 gegen den SC Ullstein Berlin, 7:1 gegen die SpVgg Schöneberg und 7:2 gegen den SC Werder (wie auch im Rückspiel), auswärts hieß es 9:2 beim SV Lichterfelde 12 und 8:1 bei der Nordstern-Versicherung Berlin.
Von besonderer Bedeutung waren die Begegnungen mit dem in dieselbe Staffel eingeteilten alten Rivalen Union Potsdam. Seit 1921 hatten die Unioner die fußballsportliche Vormachtstellung im Potsdamer Raum ausgeübt, 1932 waren sie aus der obersten Klasse abgestiegen und ein Jahr später gleich eine Klasse weiter nach unten „durchgereicht“ worden. 1500 Zuschauer sahen am 5. November 1933 das Hinspiel auf dem Sportplatz am Horstweg und erlebten, wie Nulldrei bereits nach 25 Minuten seinen Widersacher mit 4:0 an die Wand spielte. Wie der Berichterstatter der Berliner „Fußball-Woche“ zu Feststellungen wie über den „fabelhaft harmonierenden Union-Sturm“ und ein “vollkommen offenes Spiel“ kommen konnte, bleibt sein Geheimnis. Freilich mussten die Potsdamer auf den verletzten Torwart Willi Thiele verzichten, der später bei Nulldrei groß heraus kam; Verteidiger „Seppel“ Grenzel, ab 1935 bei Nulldrei, stand aber in der Mannschaft. Am Ende hieß es 7:3 für die Nowaweser durch Tore von F. Hoppe (3), Scholz (2, davon 1 Elfer), Unger und Brock. Wesentlich schwerer fiel der 1:0-Sieg beim Rückspiel am 18. Februar 1934 ab der „Templiner“ durch ein Freistoß von Scholz kurz nach Beginn. Diese Partie hatte historische Bedeutung, seitdem hat es nie wieder ein Meisterschaftsspiel zwischen den beiden Kontrahenten gegeben. Die damalige Aufstellung von Nulldrei: Seifert; Scholz, Schomburg; Fuchs, W. Hoppe, Buchmann; Unger, Brock, Ball, F. Hoppe, Mebes.
Natürlich gab es in jener Spielzeit 1933/34 nie einen Zweifel an der überlegenen Meisterschaft und dem Aufstieg des SV Nowawes 03 in die zweithöchste Klasse, die Bezirksklasse. Von den 22 Spielen wurden 20 gewonnen, die ersten 14 Begegnungen gingen alle siegreich aus, die beiden Niederlagen mussten mit 3:4 zu Hause gegen Hertha Zehlendorf und auswärts mit 1:4 gegen den Charlottenburger FC 01 eingesteckt werden. 40:4 Punkte und 134:38 Tore – überzeugender hätte der Klassenunterschied zum übrigen Feld nicht dokumentiert werden können. Die nicht ganz vollständig erhaltenen oder überlieferten statistischen Unterlagen weisen als beste Torschützen Ball (40), F. Hoppe (29), Scholz (16), Brock (14) und Mebes (11) aus. Scholz verwandelte 11 Elfmeter mit der „Pieke“.
Absteiger in die unterste Klasse, die 2. Kreisklasse, waren Siegfried Groß Glienicke und der SC Werder. Ein neuer Vereinspokalwettbewerb war 1934 nicht gestartet worden.
| Die Punktspiele der Spielzeit 1933
/ 34 |
| 10.09.33 |
Siegfried Groß Glienicke |
- |
SV Nowawes 03 |
1:12 |
| 17.09.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Preußen-Olympia Wilmersd. |
5:2 |
| 24.09.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Nordstern-Versicher. Berlin |
6:3 |
| 01.10.33 |
Hertha Zehlendorf |
- |
SV Nowawes 03 |
2:3 |
| 08.10.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
SC Ullstein Berlin |
8:2 |
| 15.10.33 |
SpVgg Schöneberg |
- |
SV Nowawes 03 |
0:4 |
| 29.10.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Wilmersdorfer SC |
3:2 |
| 05.11.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Union Potsdam |
7:3 |
| 19.11.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Lichterfelde 12 |
5:1 |
| 26.11.33 |
SC Werder |
- |
SV Nowawes 03 |
2:7 |
| 03.12.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Charlottenburger FC 01 |
10:1 |
| 10.12.32 |
SV Lichterfelde 12 |
- |
SV Nowawes 03 |
2:9 |
| 31.12.33 |
SV Nowawes 03 |
- |
Siegfried Groß Glienicke |
18:0 |
| 07.01.34 |
SC Ullstein Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
3:6 |
| 28.01.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
Hertha Zehlendorf |
3:4 |
| 11.02.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
SC Werder |
7:2 |
| 18.02.34 |
Union Potsdam |
- |
SV Nowawes 03 |
0:1 |
| 25.02.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
SpVgg Schöneberg |
7:1 |
| 04.03.34 |
Preußen-Olympia Wilmersd. |
- |
SV Nowawes 03 |
1:2 |
| 11.03.34 |
Charlottenburg FC 01 |
- |
SV Nowawes 03 |
4:1 |
| 25.03.34 |
Nordstern-Versicher. Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
1:8 |
| 26.05.34 |
Wilmersdorfer SC |
- |
SV Nowawes 03 |
1:2 |
| Die Abschlusstabelle der Spielzeit
1933 / 34 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
SV Nowawes 03 |
22 |
20 |
- |
2 |
134:38 |
40:4 |
| 2. |
Wilmersdorfer SC |
22 |
14 |
3 |
5 |
62:33 |
31:13 |
| 3. |
Union Potsdam |
22 |
14 |
2 |
6 |
63:42 |
30:14 |
| 4. |
Hertha Zehlendorf* |
22 |
13 |
3 |
5 |
82:43 |
29:13 |
| 5. |
SC Ullstein Berlin |
22 |
13 |
1 |
8 |
65:43 |
27:17 |
| 6. |
Charlottenburger FC 01 |
22 |
13 |
- |
9 |
72:61 |
26:18 |
| 7. |
Nordstern-Versicherung Berlin |
22 |
8 |
1 |
13 |
44:66 |
17:27 |
| 8. |
Preußen-Olympia Wilmersdorf* |
22 |
7 |
2 |
12 |
66:58 |
16:26 |
| 9. |
SV Lichterfelde 12 |
22 |
5 |
4 |
13 |
39:76 |
14:30 |
| 10. |
SpVgg Schöneberg |
22 |
5 |
1 |
16 |
42:79 |
11:33 |
| 11. |
Siegfried Groß Glienicke |
22 |
5 |
1 |
16 |
46:114 |
11:33 |
| 12. |
SC Werder |
22 |
4 |
2 |
16 |
41:103 |
10:34 |
* Das Rückspiel zwischen Preußen-Olympia Wilmersdorf
und Hertha Zehlendorf wurde in der zugänglichen Fachpresse ergebnismäßig
nicht gemeldet. Möglicherweise ist es nicht ausgetragen worden.
|
oben
Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1934 / 35
Name: SV Nowawes 03
Klasse: Bezirksklasse Berlin - Brandenburg (Zweithöchste regionale Klasse)
Staffel: West
Zu Beginn der Spielzeit herrschte in Nowawes Fußball-Hochstimmung. Die Art und Weise, wie die Nulldreier ohne nennenswerte
Hindernisse durch die 1. Kreisklasse "marschiert" waren, verbreitete Optimismus für das Abschneiden in der Bezirksklasse, die nun wieder in vier Staffeln antrat. Die Nulldrei-Gegnerschaft
hatte es in sich. Als Favoriten galten der Spandauer SC, soeben erst knapp am Wiederaufstieg in die Gauliga gescheitert,
und der Staffelzweite SC Charlottenburg, auch bereits in der obersten Klasse bewährt wie auch der Post-SV Berlin und
der BSC Südstern. Mit besonderer Spannung wurde der FC Sportfreunde Potsdam erwartet, mit dem ja noch eine "Rechnung" offenstand.
Die Nulldreier wollten unbedingt nachweisen, dass ihnen nunmehr die "Krone" im Fußball von Potsdam und Umgebung zustand.
Zwei Zugänge wurden mit Vorfreude und Spannung erwartet: Torwart Willi Thiele, früher als Torwart bei den Nulldrei-Handballern
aktiv und nun als Fußball-Torwart von Union Potsdam zurückgekehrt, und der torgefährliche Stürmer Kurt Schymanski von
Viktoria Potsdam.
Vom Auftaktspiel bei Grün-Rot-Minerva Wittenberge kehrten die Nulldreier mit langen Gesichtern zurück. Mit 3:0 gewannen
die Elbstädter, bei denen Torwart Königsmarck überzeugte, der 1939 eine Gastrolle in Babelsberg geben sollte. Als zweiten
Gegner erwarteten die Nowaweser den SC Charlottenburg, der sich an Nulldrei überraschend mit 1:2 die Zähne ausbiß. Zwei
Berliner wurden des Feldes verwiesen, aber auch Schymanski mußte auf Geheiß des Schiedsrichters vorzeitig in die Kabine.
Fünf Wochen später, im Derby beim FC Sportfreunde Potsdam, passierte dasselbe Malheur, und diesmal wurde er bis Januar
1935 gesperrt. Doch Nulldrei bezwang den Rivalen nach 0:2-Rückstand mit 4:2, was großen Jubel auslöste, und festigte mit dem
vierten Sieg in Serie den 2. Platz hinter Wittenberge (sechs Siege in ebenso viel Spielen). Nach einer kleinen Schwächeperiode
mit einem Unentschieden und zwei Niederlagen spielte sich Nulldrei fast in einen Rausch, eilte in den noch ausstehenden
zwölf Partien von Sieg zu Sieg, nur umrahmt von zwei Remis. Die Mannschaft stürmte der Konkurrenz, die sich gegenseitig
die Punkte wegnahm, davon und lag am Ende sieben Punkte vor dem Zweiten Spandauer BC.
Der Staffelsieg löste auch in Berlin Erstaunen und Anerkennung aus. Nach 14 Jahren klopfte Nulldrei wieder an die Pforte
zur höchsten Klasse. Eine frohe Gewißheit gab der Elf zusätzliche Kraft für die Aufstiegsspiele zur Gauliga: Auch im
Rückspiel am heimischen Horstweg wurden die Sportfreunde Potsdam geschlagen, diesmal mit 4:1, die Frage nach der stärksten
Mannschaft in Potsdam und Umgebung im Jahre 1935 war damit eindeutig beantwortet. Die Sportfreunde mußten gar - zusammen mit
dem Rathenower BC 09 - den bitteren Weg in die 1. Kreisklasse antreten. Die besten Torschützen für Nulldrei waren F. Hoppe
(18), Mebes (16), Unger und Brock (je 7). An dem neuen Vereinspokalwettbewerb, benannt nach dem NS-"Reichssportführer"
von Tschammer und Osten, der die Trophäe gestiftet hatte, beteiligte sich Nulldrei wegen der bevorstehenden Aufstiegsspiele
zur Gauliga nicht.
| Die Punktspiele der Spielzeit 1934 / 35 |
|
| 09.09.34 |
Grün-Rot-Minerva Wittenberge |
- |
SV Nowawes 03 |
3:0 |
| 16.09.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
SC Charlottenburg |
2:1 |
| 23.09.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
BSC Südstern |
5:2 |
| 07.10.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
Rathenower BC 09 |
7:1 |
| 21.10.34 |
Sportfreunde Potsdam |
- |
SV Nowawes 03 |
2:4 |
| 28.10.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
Hellas 04 Berlin |
1:1 |
| 04.11.34 |
Stern 1900 Steglitz |
- |
SV Nowawes 03 |
3:2 |
| 11.11.34 |
Spandauer BC |
- |
SV Nowawes 03 |
1:0 |
| 18.11.34 |
VfB Spandau |
- |
SV Nowawes 03 |
2:4 |
| 25.11.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
Grün-Rot-Minerva Wittenberge |
5:2 |
| 09.12.34 |
SC Charlottenburg |
- |
SV Nowawes 03 |
1:1 |
| 16.12.34 |
SV Nowawes 03 |
- |
VfB Spandau |
5:1 |
| 23.12.34 |
Rathenower BC 09 |
- |
SV Nowawes 03 |
1:4 |
| 13.01.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Spandauer BC |
6:1 |
| 20.01.35 |
Hellas 04 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
1:4 |
| 27.01.35 |
BSC Südstern |
- |
SV Nowawes 03 |
1:2 |
| 03.02.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Sportfreunde Potsdam |
4:1 |
| 10.02.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Post-SV Berlin |
2:0 |
| 24.02.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Stern 1900 Steglitz |
5:2 |
| 17.03.35 |
Post-SV Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
3:3* |
* Auf Wunsch des Post-SV wurde auch das Rückspiel
in Nowawes ausgetragen
| Die Abschlusstabelle der Spielzeit 1934 / 35 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
SV Nowawes 03 |
20 |
14 |
3 |
3 |
66:30 |
31:9 |
| 2. |
Spandauer BC |
20 |
12 |
- |
8 |
49:43 |
24:16 |
| 3. |
Grün-Rot-Minerva Wittenberge |
20 |
11 |
1 |
8 |
54:34 |
23:17 |
| 4. |
Post-SV Berlin |
20 |
10 |
3 |
7 |
42:30 |
23:17 |
| 5. |
Stern 1900 Steglitz |
20 |
10 |
1 |
9 |
33:40 |
21:19 |
| 6. |
SC Charlottenburg |
20 |
9 |
2 |
9 |
39:36 |
20:20 |
| 7. |
Hellas 04 Berlin |
20 |
9 |
2 |
9 |
38:43 |
20:20 |
| 8. |
VfB Spandau |
20 |
9 |
2 |
9 |
48:58 |
20:20 |
| 9. |
BSC Südstern* |
20 |
8 |
2 |
10 |
43:45 |
18:22 |
| 10. |
Sportfreunde Potsdam |
20 |
4 |
3 |
13 |
48:64 |
11:29 |
| 11. |
Rathenower BC 09 |
20 |
4 |
1 |
15 |
39:76 |
9:31 |
* Gegen Ende der Punktspielsaison wurde die Fusion zwischen
dem BSC und Südstern wieder gelöst, der Verein nannte sich wie zuvor Berliner
SC
Um den Aufstieg zur Gauliga
Das schwerste Stück des Weges stand dem
SV Nowawes 03 noch bevor: Eine strapaziöse Aufstiegsrunde der sieben Staffelsieger
der Bezirksklasse mit Hin- und Rückspiel - das waren zwölf Spiele, die
sich vom März bis in den Sommer hinziehen sollten, bestritten von Aktiven,
die nun wirklich entsprechend den damaligen Bestimmungen blütenweiße Amateure
waren. Favoriten waren Wacker 04 Berlin, schon lange Jahre vorher in der
obersten Klasse vertreten. Außer Nulldrei und SV Bewag Berlin kamen die
weiteren Bewerber um die beiden Aufstiegsplätze aus der "Provinz": Friesen
Cottbus, Brandenburger SC 05, SV Marga und SpVgg Guben. Nulldrei war Außenseiter,
aber keineswegs chancenlos, der überzeugende Wiederaufstieg in die Bezirksklasse,
die souveräne Art und Weise, wie sich die Mannschaft in der zweithöchsten
Klasse durchgesetzt hatte, gaben Hoffnung. Nulldrei, die große bewährte
Kampfmannschaft, aber durchaus noch ohne spielerisches Vermögen, würde
es schon schaffen, so die Sehnsüchte vieler Fans.
Wie nun die Nulldreier die Qualifikationsspiele für die oberste Klasse
bewaltigten, übertraf alle Erwartungen und fand auch bei Außenstehenden
Anerkennung, ja Bewunderung. Ganz wichtig war der erfolgreiche Start mit
einem 2:1-Heimsieg gegen den alten Rivalen Brandenburger SC 05. Als im
dritten Spiel Wacker 04 am Horstweg erschien, war die Anlage mit 5.000
Zuschauern zum Bersten gefüllt, aber die Drängelei sollte sich lohnen:
Mit 2:1 triumphierte Nulldrei durch Tore von Unger und Mebes. Das Siegestor
sieben Minuten vor Schluß entfachte Stürme der Begeisterung, denn nun
hatten sich die Einheimischen an die Spitze der Tabelle gesetzt. Fußball-Enthusiasmus
erfaßte nahezu die ganze Stadt. Die Erfolgsserie hielt an, nach sieben
von zwölf Spielen zweifelte niemand mehr an der Qualifikation, fünf Siege
und zwei Unentschieden standen auf dem Konto, errungen in unveränderter
Bestzung mit Thiele; Schomburg, Käselau; Fuchs, W. Hoppe, Buchmann; Unger,
Brock, Schymanski, F. Hoppe, Mebes. In den restlichen Partien wurde der
Aufstieg - gemeinsam mit Wacker 04 Berlin - perfekt gemacht. Erst in einem
Nachholspiel bei Friesen Cottbus mußte mit 1:5 die erste Niederlage hingenommen
und den Berlinern der erste Platz überlassen werden. Das schmerzte aber
niemanden mehr, denn beide Mannschaften rückten ja auf. Herausragende
Akteure waren Torwart Willi Thiele, der inzwischen von Gau und Stadt Berlin
repräsentativ eingesetzt wurde, der 20jährige Außenläufer "Ante" Buchmann,
der ihm darin bald folgen sollte, und Mittelstürmer Kurt Schymanski mit
zehn Treffern in elf Spielen.
Großen Anteil am Reifeprozeß der Mannschaft hatte Trainer Willy Worpitzky,
ein bekannter 32facher Berliner Auswahlspieler früherer Jahre. Er hatte
mit Viktoria 89 Berlin 1908 und 1911 den deutschen Meistertitel erkämpft
und zwischen 1909 und 1912 neun Länderspiele bestritten. In den folgenden
Jahren wechselte er sich mit Karl Schulz, 43maliger Auswahlspieler und
einmal - auch für Viktoria 89 - Nationalspieler, in der Betreuung der
Mannschaft ab.
Eher ein Störfaktor fast parallel zu den Aufstiegskämpfen war der einmalig
ausgetragene Wettbewerb um den "Ehrenschild" des NS-Gauleiters und Oberpräsidenten
von Brandenburg, Wilhelm Kube, an dem die Mannschaften aller Klassen im
K.-o.-System teilnehmen sollten. Nulldrei konnte sich nicht entziehen,
hatte sich die Elf doch schon vom neuen offziellen Vereinspokal, dem "Tschammerpokal",
ferngehalten. Helgoland 97 (9:1), BVG Berlin (4:0) und Reichskredit Berlin
(3:1) konnten zunächst ausgeschaltet werden, der Wettbewerb zog sich noch
bis 1936 hin.
| Die Aufstiegsspiele zur Gauliga 1935 |
| 31.03.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Brandenburger SC 05 |
2:1 |
| 14.04.35 |
SV Marga |
- |
SV Nowawes 03 |
0:1 |
| 19.04.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Wacker 04 Berlin |
2:1 |
| 28.04.35 |
SpVgg Guben |
- |
SV Nowawes 03 |
0:2 |
| 05.05.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Friesen Cottbus |
3:2 |
| 12.05.35 |
SV Bewag Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
1:1 |
| 19.05.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Marga |
1:1 |
| 26.05.35 |
Wacker 04 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
1:1 |
| 16.06.35 |
Brandenburger SC 05 |
- |
SV Nowawes 03 |
0:3 |
| 23.06.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
SpVgg Guben |
2:1 |
| 30.06.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
SV Bewag Berlin |
5:3 |
| 25.08.35 |
Friesen Cottbus |
- |
SV Nowawes 03 |
5:1 |
| Die Abschlusstabelle der Aufstiegsrunde 1935 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
Wacker 04 Berlin |
12 |
8 |
3 |
1 |
36:11 |
19:5 |
| 2. |
SV Nowawes 03 |
12 |
8 |
3 |
1 |
24:16 |
19:5 |
| 3. |
Friesen Cottbus |
12 |
4 |
2 |
6 |
23:24 |
10:14 |
| 4. |
Brandenburger SC 05 |
12 |
4 |
2 |
6 |
23:26 |
10:14 |
| 5. |
SV Marga |
12 |
4 |
1 |
7 |
16:26 |
9:15 |
| 6. |
SpVgg Guben |
12 |
4 |
1 |
7 |
14:30 |
9:15 |
| 7. |
SV Bewag Berlin |
12 |
2 |
4 |
6 |
25:28 |
8:16 |
Aufsteiger in die Gauliga: Wacker 04 Berlin, SV
Nowawes 03
oben
Nulldrei - Chronik: Die Spielzeit 1935 / 36
Name: SV Nowawes 03
Klasse: Gauliga Berlin - Brandenburg (Höchste regionale Klasse)
Seit 1921, da Nulldrei beim Aufstiegsversuch in die oberste Klasse knapp und unglücklich Union Potsdam den Vortritt lassen mußte, vergingen 14 Jahre, ehe das heiß begehrte Ziel erreicht werden konnte. Eine solche Fußball-Hochstimmung wie 1935 hat es später nur gelegentlich gegeben. Die "Potsdamer Tageszeitung" jubelte am 1. Juli 1935: "Wohl selten hat die deutsche Fußballgeschichte eine derartige Glanzleistung aufzuweisen, wie sie der Sportverein Nowawes 03, der mit einem Schlage durch seine außerordentlichen Erfolge in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt geworden ist, vollbracht hat."
Es war eine ganz andere Fußball-Welt, zu der Nulldrei jetzt als einziger Nicht-Berliner Verein gehörte. Vor einem guten Jahr waren noch Mannschaften wie Siegfried Groß Glienicke, Nordstern-Versicherung Berlin oder der SC Ullstein Berlin Punktspielgegner gewesen, nun warteten die zweifachen Deutschen Meister Hertha BSC und Viktoria 89 Berlin, Blau-Weiß 90 Berlin, als Union 92 Berlin schon 1905 deutscher Titelträger, wie auch Tennis Borussia Berlin, der Berliner SV 92 oder Wacker 04 Berlin. Angesichts solcher Widersacher konnte natürlich nur der Klassenerhalt das Ziel der Nulldreier sein. Da der Sportplatz am Horstweg, damals eher ein "Sturzacker", den neuen Anforderungen bei weitem nicht genügte, mußten ein Jahr lang die Heimspiele an der Sandscholle ausgetragen werden.
Die Gauligapremiere ging daneben, mit ersatzgeschwächter Mannschaft unterlag Nulldrei bei Blau-Weiß 90 in Mariendorf mit 1:5. Torwart Willi Thiele, der inzwischen in der Auswahl der Hauptstadt erfolgreich debütiert hatte, erzielte per Elfmeter den Ehrentreffer und somit das erste Gauligator. Einen Sonntag später gastierte erstmals der Deutsche Meister von 1930 und 1931, Hertha BSC, in Nowawes. Prickelnde Spannung herrschte, 7.000 Zuschauer waren an der Sandscholle dabei, angrenzende Dächer, Fenster und Bäume waren auch "ausgebucht". Die Einheimischen verloren achtbar mit 1:3, Schymanski markierte den Ehrentreffer. Im vierten Spiel gelang mit 4:0 gegen den Abstiegskandidaten Spandauer SV der erste Sieg.
Im weiteren Saisonverlauf wurden skeptische Erwartungen bestätigt. Nulldrei kam vom Tabellenende nicht weg. Als Neunter im Zehnerfeld trennten in der 2. Halbserie fünf Pluspunkte vom VfB Pankow. Im Mannschaftsgefüge hatte es mehrere Änderungen gegeben. Rechtsaußen spielte jetzt Publikumsliebling Erich Walter, ein Stehaufmännchen, trickreich und unerschrocken. "Seppel" Grenzel kam als drahtiger rechter Verteidiger von Union Potsdam, links verteidigte Bertram, zuletzt Polizei-SV Kiel, aus Bordesholm (ebenfalls Schleswig-Holstein) stieß der durchschlagskräftige Mittelstürmer Beltermann hinzu. Wesentliche Abgänge waren die Gebrüder Fritz und Wilhelm Hoppe, die sich dem aufstrebenden Ortsrivalen Eintracht 06 anschlossen, und der langjährig bewährte Verteidiger Emil Schomburg, der seine aktive Laufbahn beendete. Die Bestbesetzung jener Zeit lautete: Thiele; Grenzel, Bertram; Buchmann, Scholz, Litzkow; Walter, Unger, Beltermann, Schymanski, Mebes.
Am 9. Februar 1936 schöpfte Nulldrei wieder Mut im Abstiegskampf, bezwang Blau-Weiß 90 im letzten Heimspiel mit 3:2. Die nächsten beiden Spiele in Berlin gegen die Hauptmeisterschaftskandidaten mußten alles entscheiden, die mußten gewonnen werden, sollte die oberste Klasse gehalten werden. Angesichts der übermächtigen Gegner war es aber ein fast aussichtsloses Unterfangen. Sowohl Minerva 93 als auch Gau-Titelverteidiger Hertha BSC wären, so sollte es sich ergeben, im Falle eines Sieges Meister geworden, die extreme Bedeutung dieser Partien war also für alle Beteiligten gegeben. Minerva lag am 1. März 1936 im Berliner Poststadion zur Halbzeit mit 2:0 in Front, alles schien entschieden, doch Nulldrei machte seinen festen Vorsatz wahr, bis zum Umfallen zu kämpfen, ging zwischen der 58. und 68. Minute durch Schymanski, Beltermann und Walter 3:2 in Führung und rettete den Vorsprung über die Zeit, für Minerva war der Titel futsch, es wäre der erste und einzige gewesen.
Würde ein noch größerer Husarenstreich eine Woche später, bei Hertha BSC am Gesundbrunnen vor 20.000 Zuschauern, davon 3.000 Nulldrei-Fans, gelingen? Er gelang tatsächlich, Nulldrei hielt gegen die überalterte Hertha-Elf 70 Minuten mit, spielte dann die überlegene Kondition als Trumpf aus und machte binnen vier Minuten durch "Ante" Buchmann und Gerhard Beltermann alles klar. Unbeschreibliche Jubelszenen spielten sich ab, für Nulldrei gab es Ovationen, die Hertha-Anhänger und die neutralen Beobachter skandierten ihr hämisches „He-ha-ho, Hertha ist k.o.", der Frust ob der entgangenen Meisterschaft war groß. Die Nulldrei-Fans hatten schon vorher ihren traditionellen Schlachtruf "Eins-zwei-drei-vier, die Punkte kriegen wir" angestimmt. Die "Fußball-Woche" zog in ihrer Schlagzeile das treffende Resümee: "Der Ehrgeiz der Jugend bezwingt die Routine." - Beste Saison-Torschützen in den Punktspielen waren Kurt Schymanski (11) vor "Hänschen" Unger und Gerhard Belt ermann (je 5).
Hinter diesem großen Ereignis, bedeutendster Nulldrei-Erfolg der Zeit vor 1945, verblaßte natürlich das weitere Geschehen. Erstmalig traten die Nowaweser im neuen Vereinspokal-Wettbewerb an, bezwangen Alemannia Groß-Räschen am 5. April 1936 zu Hause mit 3:1, um 14 Tage später, ebenfalls bei Heimvorteil, dem alten Rivalen Spandauer BC mit 2:3 zu unterliegen. Beim schon 1935 begonnenen Wettbewerb um den "Kube-Ehrenschild" kam Nulldrei nach Heimsiegen über Eintracht Landsberg (1:0) und BV Luckenwalde (3:1) ins Halbfinale, wo bei Friesen Cottbus mit 0:2 verloren wurde.
Bei einem wenig beachteten Freundschaftsspiel der Nulldreier am 27. Juni 1936 gegen Berolina LSC auf deren Platz am S-Bahnhof Ostkreuz lief erstmals ein knapp 17jähriger Jüngling auf, der zum bekanntesten Nulldrei-Aktiven mit über 21 Jahren aktiver Zeit in einer ersten Mannschaft werden sollte: Torwart "Schrippe" Schröder, heute Ehrenvorsitzender des Vereins. In dem mit 4:3 gewonnenen Spiel mußte er in letzter Minute noch einen von Walter Hinzmann verwandelten Elfmeterball aus dem Kasten holen. Dass beide sieben Jahre später für Nulldrei gemeinsam in der höchsten Berlin-brandenburgischen Klasse und sieben weitere Jahre danach in der DDR-Oberliga für die BSG MV Babelsberg wirken sollten, war damals noch nicht zu ahnen.
| Die Punktspiele der Spielzeit 1935 / 36 |
| 01.09.35 |
Blau-Weiß 90 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
5:1 |
| 15.09.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Hertha BSC |
1:3 |
| 22.09.35 |
VfB Pankow |
- |
SV Nowawes 03 |
4:0 |
| 29.09.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Spandauer SV |
4:0 |
| 06.10.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Minerva 93 Berlin |
2:3 |
| 27.10.35 |
Viktoria 89 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
3:2 |
| 10.11.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Wacker 04 Berlin |
2:1 |
| 24.11.35 |
Berliner SV 92 |
- |
SV Nowawes 03 |
6:1 |
| 01.12.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Tennis Borussia Berlin |
4:2 |
| 08.12.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Viktoria 89 Berlin |
3:3 |
| 15.12.35 |
Tennis Borussia Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
2:0 |
| 22.12.35 |
SV Nowawes 03 |
- |
Berliner SV 92 |
1:5 |
| 12.01.36 |
SV Nowawes 03 |
- |
VfB Pankow |
3:2 |
| 26.01.36 |
Spandauer SV |
- |
SV Nowawes 03 |
1:0 |
| 09.02.36 |
SV Nowawes 03 |
- |
Blau-Weiß 90 Berlin |
3:2 |
| 01.03.36 |
Minerva 93 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
2:3 |
| 08.03.36 |
Hertha BSC |
- |
SV Nowawes 03 |
0:2 |
| 15.03.36 |
Wacker 04 Berlin |
- |
SV Nowawes 03 |
2:1 |
| Die Abschlusstabelle der Spielzeit 1935
/ 36 |
| Pl. |
Mannschaft |
Sp. |
S |
U |
N |
Tore |
Punkte |
| |
| 1. |
Berliner SV 92 |
18 |
10 |
3 |
5 |
54:27 |
23:13 |
| 2. |
Minerva 93 Berlin |
18 |
10 |
3 |
5 |
41:31 |
23:13 |
| 3. |
Hertha BSC |
18 |
9 |
4 |
5 |
39:29 |
22:14 |
| 4. |
Tennis Borussia Berlin |
18 |
9 |
2 |
7 |
36:28 |
20:16 |
| 5. |
Wacker 04 Berlin |
18 |
8 |
3 |
7 |
35:28 |
19:17 |
| 6. |
Viktoria 89 Berlin |
18 |
9 |
1 |
8 |
41:35 |
19:17 |
| 7. |
Blau-Weiß 90 Berlin |
18 |
7 |
4 |
7 |
39:30 |
18:18 |
| 8. |
SV Nowawes 03 |
18 |
7 |
1 |
10 |
33:46 |
15:21 |
| 9. |
VfB Pankow |
18 |
6 |
2 |
10 |
29:41 |
14:22 |
| 10. |
Spandauer SV |
18 |
3 |
1 |
14 |
12:63 |
7:29 |
oben
|
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