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Fanprojekt - 10-jähriges Jubiläum

Am 27.5.2011 fand im Treffpunkt Freizeit aus Anlass des 10jährigen Jubiläums des Fanprojekts ein unter dem Titel „Woodstock vs. Schlagstock – von Jugendkulturen (im Fußball) und staatlicher Gewalt“ firmierender Fachtag statt. Insgesamt ca. 80 Gäste mit den unterschiedlichsten Hintergründen (u.a. Vertreter von Fanprojekten, Fanvertreter aus unterschiedlichsten Szenen, Sozialpädagogen aus der Jugendarbeit mit regionalem Bezug, Vertreter von Ämtern und Behörden, Polizeibeamte) fanden sich gegen 10 h des benannten Tages im Veranstaltungssaal ein, als der ehemalige Leiter des Fanprojekts Gregor Voehse (bis April 2009) den Fachtag mit der Darbietung seines eigenen Babelsberg-Songs am Klavier eröffnete. Die folgenden Begrüßungen und Grußworte von Felix Kruse (Sozialpädagoge im Fanprojekt Babelsberg), Marcel Kankarowitsch (Geschäftsführer DW Potsdam), Jens Lüscher (Fanbeauftrager SV Babelsberg 03), Michael Gabriel (KOS Fanprojekte) und Norbert Schweers (Leiter Jugendamt Potsdam) rundeten das Intro ab. Erwähnenswert war hier insbesondere die Überreichung des neu geschaffenen Fanprojekte-Qualitätssiegels durch Michael Gabriel. Nach dieser Eingangsphase sollte der thematische Input mit einem Vortrag Jonas Gablers beginnen. Jonas Gabler, Autor des Buches „Die Ultras“, referierte mit einem eher ressourcen- und potentialorientierten Blick über die jugendliche Subkultur der Ultras. Im Anschluss daran enterte Titus Simon von der HS Magdeburg-Stendal die Bühne und referierte über das Spannungsfeld, in dem sich Jugendliche und Polizei bewegen sowie über die Entwicklung polizeilicher Strategien im Umgang mit von dieser als problematisch empfundenen Verhalten Jugendlicher. Nach einer kurzen Kaffeepause lag das Wort nun bei Ralf Marschall, dem Schutzbereichsleiter der Polizei Potsdam. Er griff die vorangegangenen Wortbeiträge auf und bemühte sich um eine differenzierte Sichtweise. So versuchte er gleichermaßen polizeiliche Notwendigkeiten zu verdeutlichen, wie er sich auch vom „Wie“ einiger Polizeieinsätze distanzierte und insgesamt die Bedeutung der Kommunikation hervorhob. Das Vormittagsprogramm wurde abgerundet von einem Beitrag von Daniela Wurbs von FSE (Football Supporters Europe), die von den Potentialen und der konkreten Arbeit verschiedener Faninitiativen berichtete. Unmittelbar an die Mittagspause schloss sich eine Diskutierbar an, in der die Teilnehmer an verschiedenen Gesprächstischen sich zu den unterschiedlichsten Themen austauschen konnten. So betreute beispielsweise Dariusz Lapinski (PL.2012) einen Tisch, an dem über den Aufbau der Fanprojekte in Polen debattiert wurde. Schließlich wurde der Fachtag mit einer intensiven und gleichfalls kurzweiligen Podiumsdiskussion abgeschlossen. Geleitet wurde diese von Andreas Ulrich (u.a. RBB), der neben Jonas Gabler auch Andreas Schuster (GdP Brandenburg), Matthias Stein (Sprecher der BAG Fanprojekte, Fanprojekt Jena), Gerd Dembowski (Soziologe) auf dem Podium begrüßen durfte.


Das Fanprojekt beim Fanfinale in Berlin

Am 20.5.2011 fand in Berlin bereits zum 20.Mal das bundesweite Fanturnier der BAG der Fanprojekte („Fanfinale“) statt. Nicht fehlen im Startfeld durfte dabei auch ein Team des Fanprojekts Babelsberg. Wie im Vorjahr wurde die Teilnahme am Turnier vom gemeinsamen Fußballteam aus Babelsberger Fußballfans und Potsdamer Asylbewerbern wahrgenommen, das sich unabhängig von der Teilnahme an Fußballturnieren auch einmal pro Woche zum gemeinsamen Training in einer Schlaatzer Turnhalle trifft. Das Kleinfeld-Turnier in Berlin wurde mit 9 Spielern bestritten, darunter 5 junge Bewohner des Asylbewerberheims Nuthetal sowie 4 jugendliche Nulldreier. Begleitet wurde das Team vom Babelsberger Fanbetreuer Felix Kruse. Bereits in den ersten Spielen zeigte sich, dass das Team zu den spielstärksten Mannschaften des Turniers zählen sollte. Nachdem ein Team von jugendlichen Hertha-Fans trotz deutlicher Überlegenheit nur knapp mit 1:0 besiegt worden war, gewann das Team sehr souverän gegen Erfurt (3:0) und Aachen (5:0). Im anschließenden Spiel gegen die starken Auer entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, das unser Team äußerst unglücklich (durch einen Schuss aus 40 m) mit 0:1 verlieren sollte. Im Anschluss war die Motivation im Keller und das Team lieferte gegen die Fanauswahl aus Mainz einen schwachen Auftritt hin, der mit einer 1:2-Niederlage bestraft wurde. Nach einer weiteren eher unglücklichen Niederlage musste sich das Team mit dem vierten Platz in der Gruppe begnügen, was angesichts der spielerischen Möglichkeiten ein eher enttäuschendes Ergebnis darstellte. In der Zwischenrunde ging es deshalb nur um die Platzierung, die Mannschaft raufte sich nunmehr aber zusammen, präsentierte sich erneut spielstark und –freudig und die nun folgenden Siege taten ihr Übriges (2:0 gegen Union Berlin, außerdem: 6:2 gegen Hamburg und 4:0 gegen Düsseldorf). Schließlich war ein 9.Platz zu verzeichnen, einer der Bewohner des Wohnheims Nuthetal wurde - wie schon im letzten Jahr - Torschützenkönig des Turniers und - und das war dann für alle eine große Freude - das Team bekam aufgrund des sympathischen und fairen Auftretens von den Schiedsrichtern des Turniers den Fairplay-Pokal überreicht, der um einiges größer war als der Siegerpokal für das Siegerteam aus Aue. So war die Rückfahrt schließlich ein Festival der guten Laune und das Ärgernis des Leistungsabfalls gegen Ende der Vorrunde vergessen.

Das Babelsberger Fanprojekt in Kürze

Neben der klassischen einzelfallbezogenen Sozialarbeit zeichnet sich das Potsdamer Projekt durch die wohlwollende Begleitung und aktive Unterstützung einer Vielzahl kritisch-jugendpolitischer Initiativen aus den Reihen der antirassistisch orientierten Fanszene von Babelsberg 03 aus. Beispielhaft seien die Aktion Fußballfans beobachten die Polizei oder das Stadionfest Der Ball ist bunt genannt.
Diese Initiativen und das damit verbundene Engagement zu bündeln, die jungen Fans für demokratisches Denken zu sensibilisieren sowie die vorhandene antirassistische Grundhaltung in die jüngeren Gruppen zu übersetzen und durch politische Bildungsarbeit dazu beizutragen, ein oftmals eher vages Politikverständnis mit Inhalt zu füllen – all das gehört zu den Aufgaben der Fanprojektarbeit in Babelsberg. Diskussions- und Filmabende im Fanladen oder an anderen Orten des Stadtteils (z. B. in Schulen), aber auch Bildungs- oder Gedenkstättenfahrten sind dabei gern gewählte Methoden. Bei der Durchführung bestimmter Veranstaltungen oder Aktivitäten gilt es für das Fanprojekt, auf einen bereits vorhandenen Fundus von Ideen zurückzugreifen und gemeinsam mit älteren Fans im Sinne eines „Intergenerationslernens“ zu agieren, beispielsweise mit der Veranstaltungsreihe Faszination Fußball. In regelmäßigen Abständen setzt sich dieses Projekt differenziert sowohl mit dem freudvollem Charakter als auch mit den verschiedensten Schattenseiten der Zuschauersportart Fußball auseinander, wobei ein Schwerpunkt bisher auf den verschiedenen im Fußball verbreiteten Diskriminierungsformen wie Sexismus, Homophobie oder Rassismus lag. Für diese Arbeit wurde das Fanprojekt Babelsberg 2007 mit der Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen ausgezeichnet.
vor dem Fanladen während der Einzugsarbeiten
Ein wichtiges Element der Arbeit ist der Fanladen, der den Fans einen durch sie gestaltbaren Raum bietet und den einzelnen Fangruppierungen die Möglichkeit gibt, eigene Plena und Veranstaltungen durchzuführen und ihre aufwendigen Choreografien für die Heimspiele vorzubereiten. Während der regulären Öffnungszeiten und damit auch der Anwesenheit der Sozialpädagog/innen dient er den Jugendlichen als zentrale Anlaufstelle für Sorgen und Nöte mit und ohne Fußballbezug. Von den Fans wird der Fanladen als ihr „eigener Raum“ wahrgenommen, was auch die Übernahme von Verantwortlichkeiten (z. B. Einkauf von Getränken, Tresendienst bei Heimspielen, Reinigung) beinhaltet.
Bei Heimspielen des SV Babelsberg 03 hat sich der Fanladen zudem als zentraler Treffpunkt für alle Fans des Vereins herauskristallisiert. Dass seit Anfang des Jahres 2009 auch regelmäßig Bewohner des Potsdamer Asylbewerberheims Nuthetal vor und nach den Spielen des SVB den Fanladen aufsuchen, hat seinen Ursprung in einem vom Fanprojekt Babelsberg initiierten Integrationsprojekt: Mit Beginn der Rückrunde der Saison 2008/09 begann der Fanladen, zu jedem Babelsberg-Heimspiel eine Einladung an alle Bewohner des Potsdamer Asylbewerberheims auszusprechen. Am jeweiligen Spieltag werden die Flüchtlinge seitdem von jugendlichen Fans abgeholt. Gemeinsam fährt/geht man zum Fanladen und schließlich zum Stadion, wo die Asylbewerber das Spiel dann im Fanblock verfolgen. Für sie ist der Eintritt zum Spiel dank der Unterstützung der Stadt Potsdam und des SV Babelsberg 03 kostenlos.
innen drin  
Ein weiteres Projekt startete das Fanprojekt schließlich im Herbst 2009. Einmal wöchentlich spielen Asylbewerber und Babelsberger Fußballfans gemeinsam Fußball. Dabei entstanden bereits innerhalb weniger Wochen intensive Kontakte. Während das regelmäßige Fußballspielen für einige Asylbewerber bedeutet, positive Sozialkontakte zu einheimischen Jugendlichen über das Medium Fußball zu erleben, wächst unter den deutschen Jugendlichen das Verständnis für die Lebenssituation der Asylbewerber genauso wie das Interesse für deren kulturellen Hintergrund. Die Herausbildung eines Teams, das auch an Turnieren teilnimmt, ist in vollem Gange.

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